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SPD Philippsburg: Wir in Philippsburg

Bürgerabend mit Regierungspräsidentin Kressl zum Rückhalteraum Elisabethenwört wird zur Farce!

Ortsverein

Enttäuscht und wütend verließen die meisten Besucher den sog. „Bürgerabend“ des Regierungspräsidiums Karlsruhe in der Philippsburger Festhalle über den Rückhalteraum Elisabethenwört. Das war kein Dialog zwischen Behördenvertretern und Bürgern. Das war eine Lektion einer Obrigkeit, die ihren Untertanen zeigen wollte, wo´s langgeht.

Lediglich der Überblick, den die vier Leiter der Planungsbüros gaben, war informativ und sachorientiert. Kein Verständnis für die Sorgen und Befürchtungen der zahlreich erschienenen Rußheimer und Rheinsheimer hatten Frau Regierungspräsidentin Kressl und ihr Referatsleiter Kugele. Bereits die Art und Weise, wie der erste Fragesteller aus Rußheim in Sorge um sein Haus und die Häuser in seinem Wohngebiet abgefertigt wurde, ließ Schlimmes erahnen. Da würden angeblich keinerlei Risiken entstehen, wenn nach einer Dammrückverlegung der neue Damm lediglich 55 Meter von seiner Haustüre entfernt sei. Völlig übersehen wurde von der Regierungspräsidentin in ihrer Klage über die nach ihrer Meinung fehlende Solidarität mit den Rhein-Unterliegern, dass Philippsburg mit dem Polder Rheinschanzinsel auf 210 Hektar bereits Solidarität geleistet und Verantwortung übernommen hat. Die Planungen für einen Rückhalteraum Elisabethenwört reichen von mindestens 400 Hektar bis maximal 590 Hektar. Eine mögliche Dammrückverlegung zwischen Rheinsheim und Philippsburg kostet weitere ca. 200 Hektar. In der Summe würden somit zwischen 800 und 1.000 Hektar Fläche, überwiegend auf Gemarkung Philippsburg, in Anspruch genommen werden. Das ist unzumutbar!

 

Überhaupt sind es die Dammrückverlegungen, die provozieren. Eine Dammrückverlegung führt zu häufigeren unkontrollierten Überflutungen entsprechend dem jeweiligen Wasserstand des Rheins. Die Rheinwasserstände schwanken zwischen Niedrig- und Hochwasser um bis zu sieben Meter. Das Naturschutzgebiet Elisabethenwört weist lt. einer Untersuchung des Büros IUS „eine ökologisch besonders gute Raumausstattung mit vielen wertvollen Biotopsystemen und Habitatstrukturen“ auf. Eine Dammrückverlegung zerstört die Lebensräume zahlreicher auf der Roten Liste stehenden Tiere sowie den größten Teil des Baumbestandes des Philippsburger Stadtwaldes (85 bis 90 Prozent). Dammrückverlegungen in so geringer Entfernung zur Wohnbebauung werden zu massiven Beeinträchtigungen der Anwohner führen. Überdies sind sie ein „hervorragendes“ Brutgebiet für Schnaken und auch für andere Mückenarten, die tropische Krankheiten übertragen (West-Nil-Virus, Asiatische Tigermücke).

Während die vier Vertreter der Planungsbüros immer wieder die Offenheit der sechs Planungsvarianten betonten, ließ Herr Kugele in seinem letzten Statement die Katze aus dem Sack: die Mindestlösung sei für das Regierungspräsidium die „kleine Lösung mit Dammrückverlegung“. Zu Recht kritisierte der Beigeordnete der Stadt Germersheim, Herr Gerd Müller, dass eine Dammrückverlegung kaum eine Wirkung auf die Hochwasserspitzen habe und lediglich der Wiederherstellung einer Auenlandschaft (bei gleichzeitiger Zerstörung des Naturschutzgebietes) diene. Auch der Versuch der Dettenheimer Bürgermeisterin, Frau Ute Göbelbecker, als äußerstes Zugeständnis einen kleinen gesteuerten Polder ohne Dammrückverlegung ins Spiel zu bringen, fand bei der Spitze des Regierungspräsidiums keine positive Resonanz.

Alles in allem vermittelten die Repräsentanten des Regierungspräsidiums nicht den Eindruck, dass sie die Sorgen der Bürger verstehen würden und an deren Lösung arbeiten wollten. Wer diese Veranstaltung miterlebt hat, versteht jetzt auch die zunehmende Frustration der Bürger im Projektbegleitkreis und in den vier Arbeitskreisen. Wieso soll man mitarbeiten, wenn man doch nichts zu sagen hat und nicht ernst genommen wird?   

Bleibt zu hoffen, dass nach dem zu erwartenden personellen Wechsel der Regierungspräsidiumsspitze sich der politische Stil ändert, und die Ängste und Bedenken der Bürgerinnen und Bürger wieder ernst genommen werden!

 
 

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